Lena Meißner & Jan Stratmann im Doppel-Interview: Ein Rennen, zwei Stories!

Ein Rennen, zwei zweite Plätze und zwei optimale Ausgangssituationen für den Rest der Saison: Lena Meißner und Jan Stratmann haben beim Ironman 70.3 in Valencia ordentlich geliefert – und geben damit allen Grund zur Annahme, dass auch die Saison 2024 auf der Mitteldistanz aus deutscher Sicht eine gute werden könnte. (Text: Lena; Bilder: Tom Schlegel)

Huiuiui, da wurde heute auf spanischem Boden ein kleines Kapitel Triathlon-Geschichte geschrieben – und mal wieder war unter anderem Jan Stratmann daran beteiligt. Nachdem sich der Ruhrpottler bereits im vergangenen Jahr in die Geschichtsbücher beim WM-Triplet in Finnland eingetragen hatte, war er heute Teil bei einem speziellen Doppel-Podium. Beim Saisonauftakt beim Ironman 70.3 Valencia sprintete er sich auf den letzten Metern (!) auf den zweiten Platz bei den Herren – kurz bevor es sich dann auch bei den Damen eine Deutsche auf ebendiesem Platz bequem machte. Wohlgemerkt: bei ihrem ersten Mitteldistanz-Rennen überhaupt. Lena Meißner sicherte sich Platz zwei in einem spannenden Starterinnenfeld. Respekt!

Spätestens da war klar: Schade Schokolade, dass es für alle Daheimgebliebenen (wie mich) von diesem Knaller-Rennen keinen Livestream zu verfolgen gab. Zum Glück hatten die beiden Zweitplatzierten dann aber noch Zeit für ein Doppel-Interview – irgendwo zwischen Siegerehrung und verdientem Abendessen. So etwas erlebt man ja nun auch nicht alle Tage. Immerhin!

Jan, bevor wir über deinen Erfolg sprechen, würde ich gerne eine Einschätzung von dir hören. Du hast Lena das Wochenende über in Valencia erlebt: Welche Eigenschaft war heute das eigentliche Geheimnis ihres Erfolgs?
Jan Stratmann: Ich habe Lena das ganze Wochenende als sehr locker wahrgenommen und um ehrlich zu sein, wäre ich vor meiner ersten Mitteldistanz sicher nicht so entspannt gewesen. Dass Lena was draufhat, wusste ich schon. Und tatsächlich habe ich es auch genauso getippt, wie es letztlich kam. Daher war es keine große Überraschung.

Lena, jetzt dein Blick auf Jan: Woher, glaubst du, hat er heute die Körner genommen, Jannik Schauffler beim Zielsprint in die Schranken zu weisen?
Lena Meißner: Natürlich der gute Support von Tom und Nick … 😉 Tatsächlich glaube ich, dass auch der dritte Platz vom letzten Jahr durchaus noch ein wenig Rückenwind oder Selbstbewusstsein geschenkt hat. Ich hatte den Eindruck, dass sich Jan wohlgefühlt hat und heute einfach zeigen wollte, was und dass er’s kann.

Stimmt Lenas Eindruck, Jan?
Jan Stratmann: Das spielt sicherlich alles mit rein – und natürlich, dass ich noch ein wenig Motivation und Antrieb von der Radstrecke zusätzlich im Bauch hatte.

Jan Stratmann beim Ironman 70.3 in Valencia im April 2024

Kommen wir also – mit dem gebührenden Ernst – nun zu euren beiden Rennen. Als alter Gentleman lässt du der Dame sicher den Vortritt, Jan. Also, Lena: Wie fühlt es sich an, die erste Mitteldistanz absolviert und dann auch noch einen zweiten Platz abgeliefert zu haben?
Lena Meißner: Körperlich fühle ich die Mitteldistanz auf jeden Fall gerade sehr: Ich habe einen blauen Zehnagel und „muskulär akute Beschwerden“. Aber psychisch fühlt es sich auf jeden Fall super an, dass das erste Rennen so gelaufen ist, es ein guter Start in die Saison war – und auch gleich die Quali für die 70.3 WM in Taupo dabei herausgesprungen ist.
Jan Stratmann: Und man muss auch mal sagen, dass das hier ein megastarkes Frauenfeld war. Ich mein, Laura Philipp wurde hier heute Vierte … das ist krass!

Ich habe einfach Bock, beide Distanzen miteinander zu kombinieren. Da die WM so gut liegt, gibt mir das als Kurzdistanzlerin die Möglichkeit, zweigleisig zu fahren!

Absolut! Erst vergangene Woche warst du bei der supertri E World Championship unterwegs. Wie passt das zusammen?
Lena Meißner: So richtig zusammen passt das tatsächlich nicht, aber ich hatte auf beides Bock. Als Athleten-Typ liegt mir das Kurze tatsächlich sehr gut, daher konnte ich das Rennen vergangene Woche ohne spezifische Vorbereitung mitnehmen. Die Mitteldistanz hat mich jedoch gereizt über die letzten Monate im Training. Gerade der Bereich Material war für mich heute im Rennen allerdings noch super neu. Ich hoffe, dass ich da in den nächsten Wochen noch an einigen Stellen dazulernen kann.

Wie hast du die unmittelbare Vorbereitung auf die nun durchaus längere Distanz gestaltet?
Lena Meißner: Wie beides kombiniert wurde, müssten wir vermutlich bei meinem Trainer erfragen. Aber tatsächlich habe ich gar nicht so spezifisch oder anders trainiert als für die Olympische Distanz. Etwas längere Radausfahrten und Läufe waren dabei.

Lena Meißner beim Ironman 70.3 in Valencia

Jan, auch du hast mal wieder sauber abgeliefert: Stimmt die Form schon, oder wie ordnest du deine Leistung heute selbst ein?
Jan Stratmann: Ich bin mega happy mit dem Status-Quo. Normalerweise brauche ich ein bis zwei Rennen, um reinzukommen – aber diese Saison offenbar nicht. Beim Schwimmen passt alles, auf dem Rad war alles gut und ich hoffe, dass ich da noch etwas für die kommenden Rennen drauflegen kann, und im Laufen war ich in der zweiten Hälfte auch schon richtig zufrieden. Von daher war das heute eine gute und wichtige Standortbestimmung. Ich fühle mich entsprechend beflügelt und nehme die richtige Motivation für die nächsten Wochen mit.

Das Rennen heute hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben – und das ist bei mir nicht in jeder Saison zum Start so selbstverständlich.

Mit dieser Leistung dürftest du erneut die PTO auf dich aufmerksam gemacht haben. Würde eine Wildcard für das T100 Rennen in San Francisco im Juni in deine Saisonplanung passen?
Jan Stratmann: Gemeldet habe ich mich auf jeden Fall, letztlich müsste ich das aber dann mit meinem Trainer besprechen, wie das alles zusammenpasst. Ich denke aber, wenn ich starten könnte, würde ich es mir nicht entgehen lassen, mich in so einem starken Feld zu präsentieren.

Jan, was nimmst du heute außer des zweiten Platzes für dich persönlich mit nach Hause? Welches Gefühl, welche Sicherheit für die Saison, welche Erkenntnisse?
Jan Stratmann: Das Rennen heute hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben – und das ist bei mir nicht in jeder Saison zum Start so selbstverständlich. Ich wusste, dass ich fit bin, aber es ist dann immer noch etwas anderes, das im Rennen zu zeigen.

Lena, für dich steht nun die WM in Taupo im Dezember auf dem Plan. Wie passt das mit der restlichen Saisonplanung auf der Kurzdistanz für dich zusammen?

Lena Meißner: Es passt tatsächlich super: Ich will bis Ende Oktober die Kurzdistanz-Saison nutzen und habe dann immer noch sechs Wochen Zeit, mich auf Taupo vorzubereiten. Vor zwei Jahren war das Grand Final der WTCS in Abu Dhabi auch Ende November – von daher weiß ich, dass ich zu diesem Zeitpunkt liefern kann. Ich habe einfach Bock, beide Distanzen miteinander zu kombinieren. Da die WM so gut liegt, gibt mir das als Kurzdistanzlerin die Möglichkeit, zweigleisig zu fahren!

Bleibt auf jeden Fall spannend, diesen Weg weiterzuverfolgen. Glückwunsch euch beiden!

Tipp
Hausbesuch bei Lena Meißner gefällig? Bitteschön – wir waren schon da!

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